Rübenzucker in Preußen. Von der Umweltkatastrophe zum Umweltschutz

15.10.2019 um 18:00 Uhr

Wie die Zuckerrübe in Preußen zur Staatsangelegenheit wurde

 

Pritzwalk. Von der Politik lanciert, legte der extensive Anbau der Zuckerrübe später den Grundstein für die Abwasserreinigung. Der Berliner Historiker Dr. Reinhold Zilch wird am 15. Oktober ab 18 Uhr über die Rolle des preußischen Rübenanbaus aus umwelthistorischer Sicht sprechen: „Rübenzucker in Preußen. Von der Umweltkatastrophe zum Umweltschutz.“, heißt sein Vortrag. Die Abendveranstaltung findet in der Museumsfabrik Pritzwalk statt.

 

Zucker galt als Mangelware im Preußen des 18. Jahrhunderts. Deutschland war keine Kolonialmacht, profitierte nicht aus der Sklavenwirtschaft des Rohrzuckeranbaus. Es musste eine andere Lösung für den Ausgleich des Bedarfs gefunden werden. Der Apotheker und Forscher Andreas Sigismund Marggraf machte sich auf die Suche nach Pflanzen, die einen natürlichen Zuckergehalt aufweisen. Dabei stieß er auf die Runkelrübe. Verzehrt wurde damals ausschließlich das Blattwerk. Die Rübe enthielt immerhin einen Zuckergehalt von drei bis vier Prozent. Diesen Gehalt konnte sein Schüler Franz Karl Achard durch Züchtung soweit erhöhen, dass 1802 bereits die erste Zuckerfabrik eröffnet wurde.

 

Den großen Durchbruch verdankt die Zuckerrübe dann der durch Napoleon verhängten Kontinentalsperre. Der erschwerte Import des günstigen Rohrzuckers machte die Zuckerrübe zu einer würdigen Konkurrentin auf dem Zuckermarkt Europas.

Die Zuckerrübe bedeutete wirtschaftliche Unabhängigkeit und wurde schnell zu einer Staatsangelegenheit.

 

Die Jahresernte wurde im Herbst und Winter in zahlreichen Fabriken verarbeitet. Während der für die Reinigung des Zuckersaftes benutzte Kalk anschließend als Kalziumcarbonat zusammen mit den anfallenden Bioabfällen zur Bodenverbesserung in der Landwirtschaft eingesetzt wurde, führte man das Schmutzwasser in zunehmend größeren Mengen in anliegende Gewässer ab.

 

Das hatte natürlich Konsequenzen für die Umwelt und die Wirtschaft. Flüsse, Bäche und Seen an denen Zuckerfabriken lagen, verlandeten und verkrauteten zunehmend, was sich negativ auf die anliegenden Wassermühlen, die Fischerei und die Schiffbarkeit auswirkte. Es kam zur Gründung der „Königlichen Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung und Abwässerbeseitigung“, um mit wissenschaftlichen Methoden nach einer Lösung zu suchen.

 

Der Eintritt zu dem Vortrag kostet 5 Euro, Informationen gibt es in der Museumsfabrik Pritzwalk unter 03395/76 08-11 20.

 

 
Foto zur Veranstaltung

 

Veranstaltungsort

Museumsfabrik Pritzwalk

Meyenburger Tor 3 a
16928 Pritzwalk

Telefon (03395) 7608 1120
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E-Mail E-Mail:
www.museum-pritzwalk.de

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